Alle Artikel mit dem Tag 'politik'


Nirgendwo wie überall

hingekritzelt am Sonntag, dem 14. Oktober 2007 um 12:22 Uhr

Es ist schon komisch. Ich mag die NZZ. Ich denke sie verdient ihr Renommée, ich denke sie ist wohl mit die neutralste Zeitung und Nachrichtenquelle die man im deutschsprachigen Raum finden kann. Und es macht wie immer bei nicht-deutschen Zeitungen Spaß und Lust, die prekären Lagen in Deutschland mit anderen Augen zu sehen.

Aber, es wäre naiv zu glauben, es sei in der Schweiz, bei der NZZ, anders als irgenwo sonst. Es sind solche Funde die mir immer wieder ins Gehirn fretzen, ins Gedächtnis rufen und in die Ohren schreien, dass eine Nachrichtenquelle, renommiert oder nicht, beliebt oder nicht, deutsch oder nicht, ein solcher Teil der vierten Gewalt wird nie gänzlich neutral sein. Es ist immer ein kleiner Anteil an sogenannter ‘Information’ vorhanden, der vielmehr ‘Direktion’ ist.

NZZ Nationalrat Werbung

In dem Artikel taucht der Name “Natalie Rickli” vier mal auf. Das ist okay für einen Artikel, der weibliche Politik beschreibt. Doch wenn bei solch einem Artikel direkt rechts nebendran eine Anzeige für besagte Frau Rickli für die Wahl in den schweizer Nationalrat auftaucht, ja nun, ich finde das, nett ausgedrückt, komisch. Ja, die Werbung ist gänzlich klar als “Anzeige” deklariert, keine Frage. Und ja, ich fand weder im deutschen noch im schweizer Pressekodex des jeweiligen Presserats ein Reglement, dass in diesem Falle über die klare Trennung hinausgeht. Und nein, ich behaupte bei weitem nicht, dass der Artikel gefärbt ist, dass ‘NZZ Online’ einseitig berichten würde, im Gegenteil. Nein, es ist vielmehr die reine Wirkung der Verbundenheit, die Niederschmetterung der wie oben beschrieben naiven Erwartung. Es schreckt ab, mich zumindest. Niemals wird ein einziges Blatt neutral sein. Nirgenwo wie überall. Zu theatralisch, zu pathetisch? Vielleicht. Aber wahr.

Zeit, sich einzumischen

hingekritzelt am Montag, dem 17. September 2007 um 16:57 Uhr

Diesen, kommenden Sonnabend findet in Berlin die Anti-Vorratsdatenspeicherungs-Demo (tollet Wort, wa?) statt.


Link: sevenload.com

Zeit, sich einzumischen!

Kurzanleitung für einen Dauerbrenner: Warum die Erfahrung obsiegen wird

hingekritzelt am Mittwoch, dem 29. August 2007 um 13:03 Uhr

Ihr wollt wissen warum Barack Obama nicht nächster US-Präsident werden kann, der Unerfahrenheit wegen (abgesehen davon dass Amerika zunächst noch nicht bereit war für einen schwarzen Präsidenten, und nun Obama nicht schwarz genug ist)? Ihr wollt wissen, was da im Nahen Osten eigentlich abgeht? Wie man es richtig macht? Ihr wollt ‘The Big Picture’? Dann los damit, kurz und knapp, aber quasi per Rolle rückwärts, quasi das Pferd von hinten aufzäumend*:

Es besteht ein feines, kleines Gleichgewicht im Nahen Osten, für das sich die USA légère zurücklehnen und stolz auf die Schulter klopfen können.
Zum Beispiel bedeutet ein geschwächter Irak ein gestärkter Iran. Und da der Iran schiitisch ist, gefällt unserer sunnitischen Freunden in Saudi Arabien gar nicht mal so sehr. Was aber kein Problem für erfahrene Leute ist:

28.07.2007
US SELLS WEAPONS TO SAUDI ARABIA FOR $20 BILLION

Sodele, fertig, Gleichgewicht wiederhergestellt. Man braucht sich auch keine Sorgen deswegen machen, denn man muss bedenken das immerhin ganze 20% der 9/11-Entführer nicht aus Saudi Arabien kamen.

Natürlich könnte dieser feine Zug unsere israelischen Freunde, ein klein wenig weiter westlich, beunruhigen. Sie könnten nervös werden, denn Saudi Arabien hat den Ruf, irgendwie mit der Hamas befreundet zu sein. Aber auch das ist kein Hindernis für ein gut geplantes Gleichgewicht:

17.08.2007
ISRAEL TO GET $30 BILLION IN MILITARY AID FROM U.S.
“… an increase of about 25 percent from current figures …”

Oh, ihr Milliarden an Dollar, gibt es keine Auseinandersetzung die ihr nicht lösen könnt? Man fragt sich, wie wurden wir (U.S.) so erfahren mit diesen Auseinandersetzungen und deren Lösungen?

Nun, die Rettung des Orients geht nun eine ganze Weile schon von statten. Damals, 1990, in ein ölgefülltes aber kleines, liebes Land namens Kuwait wurde einmarschiert, von dem nicht ganz so lieben Irak. Natürlich hielt man (U.S.) sich zurück und marschierte im Gegenzug nicht in den Irak ein. Wie sagte der damalige US-Verteidigungsminister** so schön und stark? Es würde ein Sumpf voller politischer Dilemmata werden, aus dem man schwer wieder rauskäme. Damals … er war so … schlau.

Damals musste man (U.S.) Saddam Hussein schwächen, der relativ mächtig geworden war nachdem er nicht kleine Anzahl an Waffen kaufte, von … oh Mist. Ups! Na gut, man (U.S.) musste ihm die Waffen verkaufen, denn er stand im Krieg gegen den Iran. Aber dann wurde Hussein so mächtig, dass man sich Sorgen machen musste er würde unsere Freunde in Saudi Arabien besuchen. Was der Grund war warum man (U.S.) dorthin Truppen versetzte. Das wiederum störte einen anderen jungen, sympathischen Mann***, der genauso mächtig geworden war in- und nachdem er die Russen in Afghanistan bekämpfte; nachdem er eine großzügige Waffenladung bekam. Von wem? … Also bitte?

Ihr seht, deshalb kann Barack Obama nicht Präsident werden. Er ist einfach zu unerfahren was Außenpolitik und Diplomatie, Friedensverständnis und ein feines Händchen angeht.

* teilweise basierend auf einer Einlage in der Daily Show mit Jon Stewart, teilweise nicht
** © DOD/USN/Hanalei Shimana via pingnews @ flickr
*** © Jamespon @ flickr

Memory verloren

hingekritzelt am Montag, dem 27. August 2007 um 20:05 Uhr

Jetzt wo Nun dass Endlich Leider … nein, mir fällt kein passender Anfang ein. Alberto Gonzales ist raus aus dem Spiel. Vorerst. Die Spaßkanone, die locker gegen ein 4 Monate altes Baby mit Alzheimer-Anzeichen und verbundenen Augen eine Partie Memory verlieren würde, gab heute leider endlich ihren Rücktritt als US-Justizminister bekannt. Endlich, weil’s natürlich gerechtfertigt ist. Leider, weil … wo bleibt nun der Restspaß? Und auf diese Frage möchte ich nun ein wenig eingehen. Denn wer denkt, nur weil Uns-Alberto aus Spiel ist, sei das Spiel nun zu Ende, der hat die letzten 7 Jahre geschlafen. Und eigentlich auch den Rest seines Lebens.

Also, der Hofnarr ist tot, es lebe der potentielle Hofnarr. Oder König, wer weiß das schon heutzutage? Ich habe heute gelesen, Michael Chertoff (z.Z. Leiter des Heimatschutzministeriums) ist als Nachfolger in spé im Gespräch. Ein Mann, der seine Loyalität noch radikaler ausdrücken kann als andere, und der ebenso loyal zu seiner Radikalität steht.

Viel lustiger fänd ich’s aber wenn Bush noch auf seine letzten Tage seine alte Freundin Katherine Harris mit ins große Boot holen würde. Die zwei hatten doch schon immer viel Spaß miteinander, und dem zuzusehen war auch schon immer nett (sie war die Frau die ihn via Florida damals ins Weiße Hauß brachte).

Oder natürlich Karl Rove kommt nochmal aus der Versenkung hervor. Oder vielleicht General Powell. Oder Mr. Donald ‘The Duck’ Rumsfeld. Oder John Snow. Oder John Ashcroft. Oder Tommy Thompson (kann sein Präsidenten-Rennen doch eh schon abschreiben). Oder Tom Ridge. Oder Andrew Card. Oder John Negroponte. Denn, let’s face it, Georgy hat nicht mehr so viele Freunde (ganz plötzlich), und noch geringer ist die Zahl seiner Kumpanen, die noch nicht unter ihm gedient haben.

TV-Tipp (II)

hingekritzelt am Mittwoch, dem 15. August 2007 um 23:16 Uhr

Wer morgen abend noch nichts vorhat, und Lust auf ein bisschen schwelgen hat sollte um 21.45 Uhr den NDR einschalten. Es läuft eine Wiederholung der Maischberger-Rebortage ‘Helmut Schmidt außer Dienst‘. Ich hatte mir damals (diesen Sommer) die Erstausstrahlung angekuckt, und ja, man (ich) hatte so ein Gefühl, “solch ein Mensch könnte heute ein Heiland sein”. Schmidt ist wahrscheinlich einer der ganz wenigen, auf die man ohne negative Zweifel zurückblicken  kann. Und die Maischberger macht das ganze auch noch ziemlich gut, wirft immer wieder nur Stichpunkte hinein, lässt aber sonst ihn reden. Und auch ja, Schmidt ist wohl wirklich einer der coolsten und smoothsten Menschen die ich kenne. Also, absolut empfehlbar, fast schon Pflichtprogramm.

Mein Name ist mein Schwert

hingekritzelt am Freitag, dem 13. Juli 2007 um 16:53 Uhr

Das OLG Hamburg hat heute entschieden, dass Unternehmensnamen in den URLs von Privat-Blogs nicht erlaubt sind. Könnte ja zur Verwirrung beitragen, ob die Seite nun von der Firma ist oder wie oder was. Das Namensrecht gelte.

Jetzt stellt sich die Frage: bezieht sich das nur auf Blogs, oder auch auf andere Seiten? Wenn erstes: wann ist ein Blog ein Blog (in miserabelster Grönemeyer-Manier singend)? Oder am Bespiel Bildblog: was ist, wenn ich den Blog ‘Bildungsblog’ nennen würde? Nichts halbes, nichts ganzes? Könnte ich einen Blog namens ‘Bundestags-Blog’ einrichten, oder gelten da Namensrechte nicht?

Naja, ist mal wieder so ein Urteil, das herzlich wenig durchdacht ist, und eines das beweist, dass wir inzwischen in solch einer technologischen Zeit leben, in der das Recht sich dem Stand der Technologie auch mal anpassen muss.

 

In other news: damit nicht zusammenhängend, passt aber gerade schön in das Paket rein, hat die aktuelle US-Regierung eine wunderschöne neue Front im Krieg gegen den allmächtigen Terror gefunden, nämlich kritische Äußerungen im Netz. Oh what a world/It seems we live in… [via Megaman René]

Heißkalte Akten

hingekritzelt am Samstag, dem 23. Juni 2007 um 00:32 Uhr

Das könnte interessant werden. Mehr aber auch nicht, leider. Wie die Washington Post und The Guardian berichten, wird die CIA in Bälde ihren Keller aufräumen und hunderte geheimer Akten aus Zeiten des Kalten Krieges veröffentlichen. Bis jetzt geheim, weil (laut CIA-Chef Hayden):

[…] detailing some of the intelligence agency’s worst illegal abuses — the so-called “family jewels” documenting a quarter-century of overseas assassination attempts, domestic spying, kidnapping and infiltration of leftist groups from the 1950s to the 1970s.

Das ganze könnte für Historiker und Journalisten von höchster Brisanz und höchstem Interesse sein, m.E. wird es aber wohl kaum irgendwelche Konsequenzen geben. Im Gegensatz zu damals, als Henry Kissinger sagte:

When the FBI has a hunting license into the CIA, this could end up worse for the country than Watergate.

Insbesondere werden wohl die 70er Jahre beleuchtet werden, also die Jahre um Nixon und Ford. Das wird ein wunderschönes Name-Bashing geben, und ein genauso professionell aufgesetztes Reinwaschen hinterher.

Absolut Total

hingekritzelt am Samstag, dem 16. Juni 2007 um 10:32 Uhr

Hat jemand mal bemerkt, dass sich auf diesem wunderbaren Kontinent namens Europa ‘ne neue Diktatur bildet? Da drüben, in dem Land von Baguettes, Fromage und Sonnenkönigen. Naja, es scheint ja heutzutage auch immer leichter, in ‘nen Neo-Absolutismus zu fallen.

Das klitzkleine Problem, das ich hier sehe, ist nur … der Sarkozy-Giftzwerg hat ja nichts falsch gemacht, ist normal gewählt worden; im Gegenteil, er hat ja alles sehr richtig und sehr gut gemacht; auch das Parlament unterzog sich einer regulären Wahl. Kann ein System das Ergebnis einer Wahl gerichtlich anfechten, wenn es ihm nicht in den Kram passt?

Vom Alien besessen

hingekritzelt am Mittwoch, dem 16. Mai 2007 um 18:20 Uhr

Über die letzten Wochen hat sich in den USA eine Farce abgespielt, die, man möchte sagen, seinesgleichen sucht. US-Justizminister Alberto Gonzales musste sich zunächst vor dem Senat, nun vor dem Repräsentantenhaus rechtfertigen; es geht darum, dass im November letzten Jahres acht Bundesanwälte vom Justizministerium gefeuert wurden. Dies geschah, wie inzwischen herausgefunden wurde, aus politsch ambitionierten Gründen, und nicht aufgrund von ‘performance reasons’, wie offiziell angegeben. Es gab anscheinend massig eMails und Dokumente, die das belegen, die dummerweise verschwunden sind. Zu blöd. Und die Dokumente, die noch übrig sind, möchte das Justizministerium dem ermittelnden Stab dann doch lieber unter gar keinen Umständen zu Verfügung stellen.

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Moyers interviewt Stewart

hingekritzelt am Mittwoch, dem 02. Mai 2007 um 11:55 Uhr

Okay, ich kucke die Daily Show with Jon Stewart jetzt schon relativ lange, regelmäßig, gerne. Er ist quasi eine Art Erleichterung, manche würden Messias sagen, ich scheue mich vor dem Wort. Jon Stewartist ein Mensch, der die Fähigkeit besitzt, Sachen, Tatsachen sowas von kristallklar auf den Punkt zu bringen wie kein anderer (zumindest in Europa gibt es nicht wirklich jemanden, dem man diese eloquente Gewitztheit, diese Augen für Dreh- und Angelpunkte nachsagen möchte). Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Interview Stewarts mit John McCain vor ca. einer Woche, wo er vor McCains Augen und Ohren die Probleme des Kriegsmanagements effizient auseinandergenommen und sogleich auch wieder zusammengefügt hat. Man könnte ihn einen “Bottom-Line Guy” nennen.

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