Archiv für August 2007

Kurzanleitung für einen Dauerbrenner: Warum die Erfahrung obsiegen wird

hingekritzelt am Mittwoch, dem 29. August 2007 um 13:03 Uhr

Ihr wollt wissen warum Barack Obama nicht nächster US-Präsident werden kann, der Unerfahrenheit wegen (abgesehen davon dass Amerika zunächst noch nicht bereit war für einen schwarzen Präsidenten, und nun Obama nicht schwarz genug ist)? Ihr wollt wissen, was da im Nahen Osten eigentlich abgeht? Wie man es richtig macht? Ihr wollt ‘The Big Picture’? Dann los damit, kurz und knapp, aber quasi per Rolle rückwärts, quasi das Pferd von hinten aufzäumend*:

Es besteht ein feines, kleines Gleichgewicht im Nahen Osten, für das sich die USA légère zurücklehnen und stolz auf die Schulter klopfen können.
Zum Beispiel bedeutet ein geschwächter Irak ein gestärkter Iran. Und da der Iran schiitisch ist, gefällt unserer sunnitischen Freunden in Saudi Arabien gar nicht mal so sehr. Was aber kein Problem für erfahrene Leute ist:

28.07.2007
US SELLS WEAPONS TO SAUDI ARABIA FOR $20 BILLION

Sodele, fertig, Gleichgewicht wiederhergestellt. Man braucht sich auch keine Sorgen deswegen machen, denn man muss bedenken das immerhin ganze 20% der 9/11-Entführer nicht aus Saudi Arabien kamen.

Natürlich könnte dieser feine Zug unsere israelischen Freunde, ein klein wenig weiter westlich, beunruhigen. Sie könnten nervös werden, denn Saudi Arabien hat den Ruf, irgendwie mit der Hamas befreundet zu sein. Aber auch das ist kein Hindernis für ein gut geplantes Gleichgewicht:

17.08.2007
ISRAEL TO GET $30 BILLION IN MILITARY AID FROM U.S.
“… an increase of about 25 percent from current figures …”

Oh, ihr Milliarden an Dollar, gibt es keine Auseinandersetzung die ihr nicht lösen könnt? Man fragt sich, wie wurden wir (U.S.) so erfahren mit diesen Auseinandersetzungen und deren Lösungen?

Nun, die Rettung des Orients geht nun eine ganze Weile schon von statten. Damals, 1990, in ein ölgefülltes aber kleines, liebes Land namens Kuwait wurde einmarschiert, von dem nicht ganz so lieben Irak. Natürlich hielt man (U.S.) sich zurück und marschierte im Gegenzug nicht in den Irak ein. Wie sagte der damalige US-Verteidigungsminister** so schön und stark? Es würde ein Sumpf voller politischer Dilemmata werden, aus dem man schwer wieder rauskäme. Damals … er war so … schlau.

Damals musste man (U.S.) Saddam Hussein schwächen, der relativ mächtig geworden war nachdem er nicht kleine Anzahl an Waffen kaufte, von … oh Mist. Ups! Na gut, man (U.S.) musste ihm die Waffen verkaufen, denn er stand im Krieg gegen den Iran. Aber dann wurde Hussein so mächtig, dass man sich Sorgen machen musste er würde unsere Freunde in Saudi Arabien besuchen. Was der Grund war warum man (U.S.) dorthin Truppen versetzte. Das wiederum störte einen anderen jungen, sympathischen Mann***, der genauso mächtig geworden war in- und nachdem er die Russen in Afghanistan bekämpfte; nachdem er eine großzügige Waffenladung bekam. Von wem? … Also bitte?

Ihr seht, deshalb kann Barack Obama nicht Präsident werden. Er ist einfach zu unerfahren was Außenpolitik und Diplomatie, Friedensverständnis und ein feines Händchen angeht.

* teilweise basierend auf einer Einlage in der Daily Show mit Jon Stewart, teilweise nicht
** © DOD/USN/Hanalei Shimana via pingnews @ flickr
*** © Jamespon @ flickr

Memory verloren

hingekritzelt am Montag, dem 27. August 2007 um 20:05 Uhr

Jetzt wo Nun dass Endlich Leider … nein, mir fällt kein passender Anfang ein. Alberto Gonzales ist raus aus dem Spiel. Vorerst. Die Spaßkanone, die locker gegen ein 4 Monate altes Baby mit Alzheimer-Anzeichen und verbundenen Augen eine Partie Memory verlieren würde, gab heute leider endlich ihren Rücktritt als US-Justizminister bekannt. Endlich, weil’s natürlich gerechtfertigt ist. Leider, weil … wo bleibt nun der Restspaß? Und auf diese Frage möchte ich nun ein wenig eingehen. Denn wer denkt, nur weil Uns-Alberto aus Spiel ist, sei das Spiel nun zu Ende, der hat die letzten 7 Jahre geschlafen. Und eigentlich auch den Rest seines Lebens.

Also, der Hofnarr ist tot, es lebe der potentielle Hofnarr. Oder König, wer weiß das schon heutzutage? Ich habe heute gelesen, Michael Chertoff (z.Z. Leiter des Heimatschutzministeriums) ist als Nachfolger in spé im Gespräch. Ein Mann, der seine Loyalität noch radikaler ausdrücken kann als andere, und der ebenso loyal zu seiner Radikalität steht.

Viel lustiger fänd ich’s aber wenn Bush noch auf seine letzten Tage seine alte Freundin Katherine Harris mit ins große Boot holen würde. Die zwei hatten doch schon immer viel Spaß miteinander, und dem zuzusehen war auch schon immer nett (sie war die Frau die ihn via Florida damals ins Weiße Hauß brachte).

Oder natürlich Karl Rove kommt nochmal aus der Versenkung hervor. Oder vielleicht General Powell. Oder Mr. Donald ‘The Duck’ Rumsfeld. Oder John Snow. Oder John Ashcroft. Oder Tommy Thompson (kann sein Präsidenten-Rennen doch eh schon abschreiben). Oder Tom Ridge. Oder Andrew Card. Oder John Negroponte. Denn, let’s face it, Georgy hat nicht mehr so viele Freunde (ganz plötzlich), und noch geringer ist die Zahl seiner Kumpanen, die noch nicht unter ihm gedient haben.

Die Stimme des Internets

hingekritzelt am Samstag, dem 25. August 2007 um 20:34 Uhr

Vielleicht haben manche von euch schonmal Opera benutzt. Ausprobiert oder als Standard-Browser gesetzt. Da gibt’s ja so eine schöne Funktion namens “vorlesen” (was natürlich nach dem selben Schema passiert, das ich damals auch bei Heise geschildert habe).

Nun ließ ich mir also einen Artikel vorlesen, als es plötzlich komisch wurde. Ich sah auf, sah hin, sah eine Google-Werbung.

Screenshot:

Wie sich das dann anhörte, wenn eine sexy Stimme einen Quellcode vorliest…:

Ich machte mir, als dann Schwarz (#000000) an die Reihe kam, ein wenig sorgen um meinen PC, viel mehr aber um die liebliche Stimme. Die Stimme des Internets.

P.S. Wer’s nachmachen will, das Bild ist zu dem Artikel verlinkt. Aber ich denke mal im Netz muss man sich nicht um die wenige Anzahl an GoogleAds sorgen.

Geisterreiter

hingekritzelt am Donnerstag, dem 23. August 2007 um 10:52 Uhr

Gestern schallte es laut über den Hof, aus dem tiefen Herzen einer Garage, Ghost Rider in the Sky. Ich musste erst zweimal nachfragen um zu kapieren dass das wirklich Johnny Cash war. Bei einer bekannten Video-Hostseite habe ich entsprechende Version aber nicht gefunden, also müssen die Blues Brothers ran:


[Direktreiter]

Did you take your stupid-pills again?

hingekritzelt am Donnerstag, dem 23. August 2007 um 10:41 Uhr

Kleine Werbung für zwischendurch: bei Amazon.com gibt’s alle drei Staffeln von Arrested Development für geile $55. Rechnet man noch Porto nach Ol’ Europe rauf kommt man auf $62 bzw. momentan €46. Die Serie (auch: “mit das beste was dem TV die letzten Jahre passiert ist”) kostet sonst bei Amazon.de als UK-Import für eine einzige Staffel schon soviel. Also, wer’s kennt: ausnutzen; wer’s nicht kennt: zuschlagen!

Frauenpower

hingekritzelt am Sonntag, dem 19. August 2007 um 15:56 Uhr

Ich geb’s zu, ich hab was für Songwriterinnen. Ist so, bin ein Fan. Hat was, gibt was. Wahrscheinlich ist es meistens, abgesehen von der Musik an sich, die eindringliche aber bruhigende Wirkung der femininen Stimmen.

Angefangen mit Regina Spektor, Maria Taylor (solo und als Part von Azure Ray), Ani DiFranco, und Kathleen Edwards, über Aimee Mann, Joanna Newsom, Carla Bruni, Nina Nastasia, die frühe Leslie Feist, Neko Case, ja selbst Emiliana Torrini, Laura Veirs, hin zu Anaïs Mitchell, Emily Haines und Meg Baird. Und noch viele mehr über die ich genauso wenig jemals schreiben werde. Über die letzteren beiden gab’s vorgestern jedenfalls einen Artikel bei der FAZ-Onlineausgabe.

Haines, bekannt durch ihre Mitwirkung bei Broken Social Scene und den Stars, Baird, weniger bekannt als Teil der aus Philadelphia kommenden Baird-Schwestern, haben beide dieses Jahr jeweils fantastische Solo-Alben hingelegt, für Meg Baird war es gar ihr Solo-Debut. Während Haines aber einen guten halben Abschied, eine 93°-Kurve sozusagen, von den musikalischen Machenschaften damals macht, macht Baird quasi da weiter wo sie mit ihrer Schwester auch schon angelangt war; nur dass ihr Album leicht weniger traditional- und ein wenig mehr country-lastig ist.

MP3: Emily Haines - Doctor Blind

MP3: Meg Baird - Do What You Gotta Do

Der Artikel jedenfalls, erklärt ziemlich gut den Weg zum und den Nutzen eines Sologangs, vergleicht komischerweise mit den Powerfrauen der 80er und 90er, und ja, beleuchtet auch ein wenig die Sache mit der “Identität.”

Schwarzbrot

hingekritzelt am Sonntag, dem 19. August 2007 um 14:06 Uhr

Erst nach dreimaligen Ofennutzungen bemerkte ich was denn nun der Grund für die elende Stinkerei war. Drei mal schaffte ich es zwar, lustvoll und intellektuell anstößig ”da riecht doch was” zu bemerken, dennoch aber niemals in den Ofen zu kucken.

Ist das jetzt so gesund wie Schwarzbrot?

Mehr Detail? Bitte sehr:

Meine Fresse!

hingekritzelt am Sonntag, dem 19. August 2007 um 13:56 Uhr

Da hat man sich aber echt mal, also nun mal wirklich Mühe gegeben. Endlich mal keine Gerüchte-Küche-köchelnde, keine Spekulations- und keine Klatsch-Nachricht.

Vielleicht sollte man sich bei SpOn so langsam mal überlegen, die ganzen rot-rötlichen Farben gänzlich in pures Gelb zu ändern!

Tool Box: Update

hingekritzelt am Freitag, dem 17. August 2007 um 12:38 Uhr

Fast schon endlich möchte ich sagen, ist Calexico’s neues Album jetzt* veröffentlicht. Es ist eine reine Instrumental-CD, und erinnert mich beim erstmaligen Anhören stark an John Convertino’s Ragland, was wohl daran liegen mag, dass die Songs nur von Joey Burns und eben John Convertino eingespielt wurden. Ich würde es ein Album nennen, dass weniger als andere an Calexico erinnert, dennoch eher etwas für die hart-gesottenen Fans ist als für die halbe Welt wie beim letzten Album Garden Ruin, denn es ist einfach minimalistischer. Und den Ausdruck “Tour-Album” vom letzten Beitrag muss ich auch noch etwas revidieren: dies ist kein Tour-Album, sondern wird während der Tour verkauft. Ansonsten kann man es auch noch im Calexico-Store bestellen (man kommt auf gute €15 incl. Versand).

MP3: Hair Like Spanish Moss

Ach ja, auf der Calexico-Seite kann man sich dann noch den ersten Track, Above The Branch, anhören.

*Hach, wat wäre isch ein jutes Bild-Redakteurschen. ‘Jetzt’ ist natürlich sehr relativ, ich habe das Release einfach erst vor ein paar Tagen entdeckt.

TV-Tipp (II)

hingekritzelt am Mittwoch, dem 15. August 2007 um 23:16 Uhr

Wer morgen abend noch nichts vorhat, und Lust auf ein bisschen schwelgen hat sollte um 21.45 Uhr den NDR einschalten. Es läuft eine Wiederholung der Maischberger-Rebortage ‘Helmut Schmidt außer Dienst‘. Ich hatte mir damals (diesen Sommer) die Erstausstrahlung angekuckt, und ja, man (ich) hatte so ein Gefühl, “solch ein Mensch könnte heute ein Heiland sein”. Schmidt ist wahrscheinlich einer der ganz wenigen, auf die man ohne negative Zweifel zurückblicken  kann. Und die Maischberger macht das ganze auch noch ziemlich gut, wirft immer wieder nur Stichpunkte hinein, lässt aber sonst ihn reden. Und auch ja, Schmidt ist wohl wirklich einer der coolsten und smoothsten Menschen die ich kenne. Also, absolut empfehlbar, fast schon Pflichtprogramm.